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Fortbildung zum Thema Reanimation (13.09.2018)

Für viele Zeitspender schien der Abend zunächst eine Reise in die Vergangenheit zu werden; nämlich zurück zum Erste Hilfe Kurs im Rahmen ihrer Führerscheinprüfung. Dass sich in den letzten Jahrzehnten die Maßnahmen bei Herzstillstand stark verändert haben, hat viele der Anwesenden überrascht und den Abend umso lohnenswerter gemacht.

 

Reanimation – Ein Thema mit langer Historie

Zum Einstieg gab Martin Süper (Fachpflegekraft für Intensivmedizin und Anästhesie) zunächst einen teilweise sehr vergnüglichen Einblick in die Historie. Offensichtlich hat Reanimation Menschen schon immer bewegt, denn bereits in der Bibel ist eine Atemspende erwähnt. Später wurden immer neue Methoden ausprobiert, die mitunter recht brachial anmuten. Maßnahmen von „Rauch einblasen“ über „auf den Kopf stellen“ bis hin zu „auspeitschen“, führten bei den anwesenden Zeitspendern zu Reaktionen zwischen mitfühlendem Stöhnen und herzlichem Lachen. Im Jahr 1960 wurden die Methoden schließlich erstmals systematisch untersucht und so profitieren wir heute von europäischen Reanimationsleitlinien auf wissenschaftlicher Basis.

 

Wichtige Schritte in lebensbedrohlichen Situationen

Die Mehrheit der Herzstillstände (ca. 70%) ereilt die Betroffenen zu Hause. Schnelles Handeln ist immer unerlässlich, denn ohne Hilfe kommt es bereits nach 3 Minuten zu Hirnschädigungen und nach 10 Minuten zum Tod. Wird die Rettungskette optimal umgesetzt, überleben ca. 30 - 40% der Patienten. Trotz der erschreckenden Situation und des Zeitdrucks ist das oberste Gebot „Ruhe bewahren!

 

Zunächst müssen Bewusstsein, Atem und Puls des Betroffenen geprüft werden. Sind keine Vitalzeichen erkennbar, wird die Notrufzentrale (112) entsprechend informiert. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes muss umgehend Erste Hilfe geleistet werden.

 

Beim Stichwort „Erste Hilfe Maßnahmen“ erinnerten sich viele Zeitspender an die unangenehmen und oft wenig effektiven Beatmungsübungen früherer Kurse. Inzwischen hat die Herzdruckmassage die Beatmung als Maßnahme bei Herzstillstand abgelöst. Sofern vorhanden, wird zusätzlich ein Defibrillator eingesetzt.

 

Herzdruckmassage - Auf das Herz statt ans Herz gedrückt

Mit dem liebevollen „Ans Herz Drücken“ hat eine Herzdruckmassage nichts zu tun! Für die erfolgreiche Anwendung gilt: Hart, hurtig und hastig! Und, eine Herzdruckmassage ist körperliche Schwerstarbeit. Deshalb ist es wichtig, sich möglichst zusätzliche Hilfe von Passanten oder Nachbarn zu holen. So kann man sich abwechseln und die unterbrechungsfreie Massage sicherstellen.

 

Trotz der körperlichen Anstrengung muss niemand Angst vor der Herzdruckmassage haben. Die Durchführung ist einfach und auch als Unerfahrener kann man die Situation dadurch nicht verschlimmern, sondern in jedem Fall die Überlebenschance erhöhen!

 

Zunächst werden gegebenenfalls Fremdkörper aus dem Mundraum des Patienten entfernt. Um das eigene Körpergewicht optimal einzusetzen, kniet man sich möglichst nah an den Patienten, legt beide Hände übereinander und drückt mit gestreckten Armen in einer Frequenz von 100 bis 120 / Minute auf die Mitte des Brustkorbes. Um die richtige Frequenz zu halten, helfen diverse bekannte Lieder: Von „Atemlos durch die Nacht“ über „Staying Alive“ bis hin zu „Highway to hell“, kann sich jeder Ersthelfer von seinem persönlichen Lieblingslied leiten lassen.

 

Entscheidend ist, dass der Brustkorb jeweils ca. 5-6 cm herunter gedrückt und zwischen den einzelnen Druckvorgängen immer komplett entlastet wird. Auch wenn es für den Laien erschreckend klingt, muss die Herzdruckmassage fortgesetzt werden, falls Brustbein oder Rippen brechen. Im Gegensatz zum Herzstillstand sind Brüche nicht lebensgefährlich! Daher endet die Druckmassage immer erst dann, wenn der Patient ein Lebenszeichen gibt oder Rettungsdienst eintrifft.

 

Ein „Schwätzchen“ mit dem Defi

Portable Defibrillatoren haben in den vergangenen Jahren Einzug in Büros und öffentliche Gebäuden gehalten. Aber „Hand aufs Herz“; wer zieht im Notfall wirklich in Erwägung, ein solches Gerät einzusetzen? Gedanken wie „Ich weiß doch gar nicht, wie das funktioniert!“ oder „Ich möchte keinen zusätzlichen Schaden anrichten“, halten viele Menschen davon ab, Defibrillatoren überhaupt aus der Halterung zu nehmen.

 

 

Dabei sind Defis nicht nur so konzipiert, dass sie einfach anzuwenden sind, sie „sprechen“ sogar mit dem Bediener und teilen Schritt für Schritt klar und unmissverständlich mit, was zu tun ist. Wichtig ist, dass die Herzdruckmassage so lange durchgeführt wird, bis der Defibrillator einsatzfähig ist und der Patient flach, sicher und trocken liegt. Durch die Bebilderung und die automatische Sprachanweisung wird der Ersthelfer beim Anbringen der Klebeelektroden unterstützt.

 

Das Gerät analysiert selbstständig, ob es sich um einen Herzstillstand handelt, der durch den Defi behandelbar ist und gibt eine Anweisung, wenn der Schock ausgelöst werden soll. Da ein Schock zu heftigen Bewegungen des Patienten führen kann, darf der Ersthelfer den Patienten nicht berühren und sollte zur eigenen Sicherheit Abstand halten. Aber auch zum richtigen Verhalten und den weiteren Maßnahmen gibt der Defi klare Anleitungen.

 

Im Rahmen des Vortrages hatten etliche Zeitspender die Möglichkeit, den Defi-Einsatz selbst an der Reanimationspuppe zu testen und konnten bestätigen: “Es gibt keinen Grund einen verfügbaren Defibrillator nicht einzusetzen!“

 

Ja, jetzt trauen wir uns!

Nach dem Vortrag, der durch kurze Videos und praktische Übungen abgerundet wurde, konnte Frau Paus zusammenfassend feststellen, dass das Ziel des Abends erreicht wurde: Alle Anwesenden wurden auf den neusten Stand der Erste Hilfe Maßnahmen bei Herzstillstand gebracht und nahmen die Erkenntnis mit, dass sie nur dann etwas falsch machen, wenn sie im Notfall aus Unsicherheit gar nichts tun!

 

Ermutigt durch die Erkenntnis, dass auch jeder Laie sich lebensrettende Maßnahmen zutrauen darf und gestärkt durch leckere Herzbonbons traten die Zeitspender den Heimweg an – natürlich in der Hoffnung, das aktualisierte Wissen nie anwenden zu müssen.